Der Ursprung der Siamkatze liegt unbestritten im alten Siam, dem heutigen Thailand. Schon im Jahre 1871 wurden auf einer Katzenausstellung in London die ersten aus Bangkok stammenden Siamkatzen ausgestellt. Die ersten Beschreibungen dieser Katzen befinden sich bereits in dem wahrscheinlich ältesten Katzenbuch aller Zeiten "Cat Book Poems", das aus der alten Hauptstadt Siams Ayudha (1350-1767) stammt und das heute in der Thai-National-Bibliothek in Bangkok aufbewahrt wird. In dem Buch gibt es eine Illustration über Seal Point Siamesen. Der Autor Phra Nakhon widmete dies den Siamkatzen anlässlich der Stadtgründung von Ayutthaya.

In Europa waren Ende des letzten Jahrhunderts Siamkatzen gelegentlich in den verschiedenen Zoologischen Gärten zu sehen. Seit ca. 1890 wird die Siamkatze erfolgreich gezüchtet. Die ersten Exemplare wurden bereits am 18. Juli 1871 im Londoner Crystal Palast, auf der ersten in England veranstalteten Katzenausstellung gezeigt. Die Reaktionen des Publikums waren sehr unterschiedlich. Ein Kritiker bezeichnete die Tiere damals als alptraumhaft. Es ist bekannt, dass der englische Generalkonsul in Bangkok, Owen Gould, 1884 ein Paar siamesische Katzen nach England einführte und mit ihnen züchtete. Leider hatten diese Katzen keine lange Lebenserwartung. Wusste man doch einfach zu wenig über die Ansprüche und Lebensgewohnheiten dieser exotischen Tiere. Ihre Widerstandskraft reichte nicht aus, die ungünstigen klimatischen Bedingungen zu überstehen. Gegen Infekte gab es noch keine Impfungen und bei der Haltung machte man gravierende Fehler. Man hielt die Tiere abgeschirmt in Gewächshäusern und Wintergärten und man ernährte sie mit in Milch eingeweichtem Brot. Mangelerscheinungen, Darmerkrankungen, Infektionen und ein daraus resultierender, frühzeitiger Tod waren die Folge. Immer wieder neue Siamkatzen wurden nach England importiert, bis die Katzenhalter erkannten, dass Licht, Luft, Sonne, Bewegung und eine fleisch- und fischhaltige Ernährung, sowie Trinkwasser die Katzen gesund halten würde. Von da an ging es mit der Siamkatzenzucht bergauf. 1895 wurde die erste Katzenausstellung Amerikas veranstaltet. Auch dort kannte man bereits die exotischen Maskenkatzen, die zu stolzen Preisen offeriert wurden. Zwischen 1940 und 1960 expandierte die Siamkatzenzucht in der ganzen Welt. Mehr als 100 - 150 gemeldete Siamkatzen auf einer Ausstellung waren keine Seltenheit und die Nachfrage war sehr groß. Heute ist die Siamkatze alles andere als eine Mode-Rasse. Sie hat sich jedoch über all die Jahrzehnte hinweg ihren festen Liebhaberkreis erhalten.

Legenden: die Maskenkatzen waren angeblich auch im alten Siam immer selten und ihre Haltung war demnach dem Adel und den Königshäusern vorbehalten. Eine Geschichte erzählt, dass eine Prinzessin ihre Siamkatzen besonders vergötterte. Immer wenn die Prinzessin baden ging, legte sie ihren Schmuck ab und übergab ihn ihrer Lieblingskatze damit diese den Schmuck bewachen sollte. Die Katze ließ es zu, dass die Prinzessin ihre Ringe über ihren Schwanz streifte. Um keinen Ring zu verlieren bog die Siamkatze ihren Schwanz. So soll der für Siamkatzen bekannte Knickschwanz entstanden sein. Eine weitere Überlieferung erzählt, dass die Siamkatze in Palästen gehalten wurde um die wertvollen Kelche zu bewachen. Die Siamkatzen wickelten ihren Schwanz um die Kelche und konnten diesen nach einiger Zeit nicht mehr gerade biegen. Eine weitere Legende sagt, dass die Siamkatzen ihre Aufgaben als Beschützerin der Gegenstände im Tempel sehr ernst genommen haben. Sie starrten unentwegt auf die zu bewachenden Gegenstände und fingen an zu schielen. In der Tat hatten viele der Ursprungskatzen diesen sogenannten Knickschwanz und nicht wenige davon schielten. Was damals als "Echtheit" einer Siamkatze gewertet wurde, gilt heute als Missbildung und wird als zuchtausschließender Fehler gewertet. Trotz intensiver Zuchtbemühungen diese beiden Missbildungen zu eliminieren, treten sie auch heute noch gelegentlich zum Vorschein.

Die Siam gehört zu den aktivsten Rassen überhaupt und dürfte wohl auch die kommunikativste Katzenrasse sein. Da diese schlanken Katzen ungemein menschenbezogen sind, kann man sich regelrecht mit ihnen unterhalten. Dabei sollte einen die Stimmgewalt nicht erschrecken, denn es ist einfach faszinierend, zu welchen stimmlichen Höchstleistungen zum Beispiel eine rollige Siam oder ein liebeshungriger Kater fähig sind. Apropos Geschlechtsreife: Alle orientalischen Rassen sind überaus frühreif. Kätzinnen die mit fünf Monaten das erste Mal rollig werden sind keine Seltenheit und so mancher Jungkater hat mit sechs Monaten bereits für unliebsame Überraschungen gesorgt, da man ihm eine erfolgreiche Deckung noch gar nicht hätte zutrauen wollen. In der Haltung sind Katzen dieser Rassen nicht besonders anspruchsvoll, jedoch brauchen sie ausreichend Platz und Spielmöglichkeiten und vor allen Dingen Gesellschaft. Nach Möglichkeit sollten sie nicht allein gehalten werden, denn sie kuscheln gerne untereinander und leiden unter zu langer Abwesenheit ihres Menschen. Mit einem kätzischen Sparringspartner jedoch läßt sich die Zeit ohne den Menschen besser überstehen. Da die Siamkatze Geselligkeit liebt und überaus kontaktfreudig ist, kann man sie problemlos mit anderen Rassen zusammenhalten. Das Wesen der Siamkatze hat mit dem eines Hundes Ähnlichkeit. Ihr Charakter ist geprägt von Neugierde, Eigensinn, Gelehrigkeit und Intelligenz. Ebenso ist sie für ihre "Geschwätzigkeit" bekannt.

Kaum eine andere Rasse wird von den einen so abgelehnt - und von anderen heiß geliebt. Siamkatzen unterscheiden sich durch ihren grazilen Körperbau, ihr temperamentvolles Wesen, ihr großes Stimmvolumen und ihren ausgeprägten Familiensinn, grundsätzlich von anderen Katzenrassen. Sie gehören zur Gattung der Schlankformkatzen. Ihr lang gestreckter Körper wirkt zart und zerbrechlich, doch ist er ausgesprochen muskulös. Einmalig und faszinierend ist das tiefe Blau ihrer Augen. Siamkatzenkinder werden immer weiß geboren. Ihre rassetypische Maskenzeichnung wird nur an den kühleren Körperregionen gebildet und beginnt sich erst einige Wochen nach der Geburt zu entwickeln. Im Gegensatz zu den meisten anderen Katzenrassen verfügt die Siamkatze nicht über ein dichtes Unterfell, was sie zu einem pflegeleichten Mitbewohner macht.